Indien – Europa. Ein Ziel in zwei Welten: Prolog

„Warum ist Tandoori Chicken so rot?“, fragte mich Rupert. Nachdenklich blickte ich in sein fragendes Gesicht und antwortete ihm. „Hmm. Das ist eine spezielle Art der Zubereitung. In Indien bekommen die Hühner einen Sonnenbrand!!! Erst dann schlachten wir sie. Aus diesem Grund ist das Tandoori Chicken rot.“ Mukul musste ein hämisches Lächeln unterdrücken.

„Willst du mich verar…..?“, fragte Rupert, der in die pralle Sonne blickte, die ihn, wie es schien, an seinem zweiten Besuchstag in Neu Delhi zu verbrennen drohte. Es hatte 45 Grad Celsius.

„Nein, aber auf blöde Fragen wird blöd geantwortet. Das Gericht wird mit edelsüssem Paprika, roten Chili und ein paar anderen Kräutern (Tandoori-Mischung; beinhaltet auch rote Lebensmittelfarbe) gewürzt“, sagte Mukul.

„Was willst du denn in diesem überladenen Kreisverkehr?“ Wir bewegten uns um den Connaught Place (Delhi), der sich von einer Minute zur anderen mit einer Masse von Menschen füllte.

Rupert erwiderte, dass er Indien genau kennen lernen möchte. Zugleich putze er sich seine Nase mit einer Lautstärke, die jener einer Hupe einer indischen Rikscha ähnelte.

„Das macht man in Indien nicht!“ Ich schaute mich um und wollte mich vergewissern, dass uns niemand beobachtet hatte. Hier bohrt man in der Nase oder geht zur Seite, um seinen Geräuschen freien Lauf zu lassen.“

„Und die Inderinnen? Wo sind die Bollywood-Schönheiten, die man in den Filmen sieht?“, fragte Rupert.

„Sie sind in Autos, Clubs, Partys und Discos“, antwortete ich gähnend.

„Sie richten sich nur für Anlässe schön und speziell her. Geschminkt und geschmückt sind sie im Alltag selten anzutreffen.“

„Warum?“, fragte Rupert neugierig, der nicht genug von den Eindrücken Neu Delhis bekommen konnte. Er beobachtete, wie eine Inderin sich bückte, um ihre Geldbörse, die ihr aus der Tasche gefallen war, wieder aufzuheben. „Bei uns sind fast alle Frauen, wenn sie unterwegs sind, geschminkt“, fügte Rupert prompt hinzu ohne seinen Blick von der schönen Inderin abzuwenden.

„Dann bleib zu Hause!“ Diesen Satz hörte ich des öfteren auf meinen Reisen in Österreich, Deutschland oder der Schweiz, wenn jemandem etwas nicht in den Kram passte.

Wir schauten uns mitten unter tausenden Menschen an und begannen lautstark zu lachen.

Indiens Gesellschaft erwachte in den frühen Morgenstunden wach. Das gemeinsame Zusammenleben von Mensch, Tier und Technik begann. Autos, Lastwagen, Rikschas, Motorräder, Fahrräder und einige selbst gebaute Fahrgestelle, die von Tieren gezogen wurden, fanden ihren Weg in den Kreisverkehr. Einerseits geduldig, anderseits mit lautstarkem Hupen, integrierten sie sich wie wir in den Morgen- und Berufsverkehr.

„Willkommen in Indien“, sagte ich lächelnd.

Mukul Rajpal & Rupert Leutgeb

„Rashtrapati Bhavan”, so der indische Name, ist die offizielle Residenz des indischen Präsidenten und eines der größten und prächtigsten herrschaftlichen Bauwerke in Delhi und liegt am sanft abfallenden Hang des Raisina Hill. Erbaut wurde es zwischen 1921 bis 1929 von Edwin Lutyens und Herbert Baker.

Rechts unten das berühmte „India Gate”. Seit Jahren wird im Parlament erwogen, unter dem Rundbogen eine Statue von Mahatma Gandhi aufzustellen. Doch bis heute ist man sich nicht einig, aus welchem Material diese sein soll. Manche plädieren für Marmor, einige sagen, das wäre gegen den Willen des berühmtesten Inders. Andere plädieren für Bronze und wenige wollen Holz, was beim indischen Klima wieder ein Problem darstellen würde.


Die Artikelserie „Indien – Europa. Ein Ziel in zwei Welten“ ist eine bewegende Erzählung über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kulturen im Alltags- und Geschäftsleben. Die Serie ist der Freundschaft von Rupert und Mukul gewidmet, welche auf der Grundlage von mehreren Reisen durch den indischen Subkontinent berichten.

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